Theoretical Chemistry Genealogy Project
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Karl Hensen
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Karl Hensen wurde am 1. März 1935 als Sohn des Oberingenieurs Karl Hensen und seiner Ehefrau Käthe, geb. Heuertz, in Aachen geboren. Er besuchte die Volksschule in Aachen und während der Evakuierung Aachens im zweiten Weltkrieg die Schule in Gehren/Thüringen. Von 1946 bis 1955 war er Schüler des Couvengymnasiums in Aachen. Es folgte ein Chemiestudium an der RWTH Aachen. 1959 trat er in den Arbeitskreis von Professor Ulrich Wannagat, Institut für Anorganische Chemie und Elektrochemie, ein, wo er seine Diplomarbeit mit dem Titel: „Über das Verhalten von Platin bei der katalytischen Ammoniakoxidation“ anfertigte. 1960 erhielt er das Diplom, wofür er mit der Springorum-Denkmünze ausgezeichnet wurde. Im gleichen Arbeitskreis fertigte er anschließend seine Dissertation an mit dem Thema: „Zur Darstellung gemischter Siliciumhalogenide und ihrer Additionsverbindungen mit N-Heterocyclen“. Hiermit erfolgte 1962 seine Promotion zum Doctor rer. nat.. Schon in dieser Zeit galt sein besonderes Interesse der Theoretischen Chemie. Er hatte das Gefühl, dass in weiten Kreisen über dieses Gebiet mehr geredet als davon von Grund auf verstanden wurde. So wechselte er 1962 nach Frankfurt am Main in die Arbeitsgruppe von Prof. Hermann Hartmann, der als „Papst“ der Theoretischen Chemie in Deutschland galt, um sich mit diesem Thema vertraut zu machen. Damals begann man, unter Theoretischer Chemie zunehmend „Theorie der chemischen Bindung“ zu verstehen.

1968 habilitierte er sich bei der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Johann Wolfgang Goethe-Universität mit einer Arbeit „Theoretische Untersuchungen an Wasserstoffverbindungen unter besonderer Berücksichtigung von Brückenstrukturen“ und erhielt die venia legendi für Anorganische und Theoretische Chemie. Die Persönlichkeit seines Mentors Hartmann hat ihn stark beeinflusst, insbesondere die weitgespannten wissenschaftlichen Interessen, die über das Fachgebiet weit hinausgingen, sowie dessen Engagement für die Lehre. 1968 wurde Hensen zum Oberassistenten, 1971 zum Professor berufen und im Jahr 2000 in den Ruhestand versetzt.

In seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmete er sich im Rahmen der Theoretischen Chemie Modellberechnungen an kleinen Molekülen und auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie Lewis-Säure-Base-Wechselwirkungen, hierbei insbesondere dem Bereich der Silicium-Stickstoff-Chemie.

Er betreute 40 Doktorarbeiten mit Schwerpunkt in Theoretischer, Anorganischer und Physikalischer Chemie. Zwei Monographien stammen aus seiner Feder: „Theorie der chemischen Bindung“ (1974) und „Molekülbau und Spektren“ (1983), beide im Steinkopff-Verlag erschienen.

Sein besonderes Interesse für fachübergreifende und außerfachliche Gebiete war Ausgangspunkt für sein Engagement in der Studienstiftung des deutschen Volkes, deren Vertrauensdozent er über 30 Jahre war. In dieser Eigenschaft widmete er sich der Förderung hochbegabter Studenten aus den verschiedensten Fächern, so auch in den Auswahlausschüssen der Stiftung.

Im Rahmen von Ferienakademien der Studienstiftung leitete er eine Reihe von Arbeitsgruppen über „Gruppentheorie“ für Physiker und Chemiker, teils zusammen mit dem Darmstädter theoretischen Physiker F. Beck.

Die außerfachlichen Interessen führten zu zahlreichen Studienreisen, die er mit Stipendiaten und seinen Schülern nach Wien, Madrid und insbesondere nach Rom unternahm, um auf diese Weise einen Beitrag zu universitärer Bildung zu leisten.